Sommersonnwende und Johanni

 

Mit der Sommersonnwende verbinde ich seit meiner Kindheit den Auftakt für jene Zeit im Jahr, welche ich immer schon besonders intensiv, in und mit der Natur, verbracht habe. Am Johannitag (24. Juni) haben wir bei uns zu Hause traditionell die „Johanniskräuter“ gesammelt haben - u.a. Arnika, Schafgarbe, Beifuß, Frauenmantel, Quendel, Königskerze (=„Sonnwendblume“), Ringelblume, Kamille und die wichtigste, nach diesem Tag benannte Heilpflanze das Johanniskraut (Hypericum perforatum). In Ehrfurcht sammelten wir gleich am Morgen die Kräuter, die Erwachsenen leiteten uns an, und dankbar erzählten Sie dabei welchen Dienst die einzelnen Kräuter, gemäß der ihnen innewohnenden Kräfte, uns erweisen würden. Der Büschel wurde geweiht und dann unterm Dachfirst aufgehängt. Wenn ein Gewitter nahte, wurde etwas von der Königskerze oder dem Johanniskraut im Herdfeuer verbrannt und der Rest wurde weiter aufbewahrt, man verwendete ihn im Winter bei Mensch und Vieh, als Aufguss oder im Futter, wenn Krankheit im Anzug war. Am Abend entzünden wir traditionell das Johannisfeuer, das Sonnwendfeuer, welches vorchristliche Wurzeln hat. Zum Johannisfeuer gehört auch der segenbringende, unheilabwendende, reinigende Sprung übers Feuer. Wenn ein Paar sich bei diesem Sprung nicht loslässt, so deuteten dies die Menschen früher als ein gutes Zeichen für eine Bindung die ewig hält oder eben eine bald bevorstehende Hochzeit. Die jungen Frauen warfen, vor dem Erlöschen des Feuers, den Sonnwendgürtel, den sie zum Festkleid trugen, in die Glut und erbaten damit Gesundheit und Segen.

 

"Der Glaube ist etwas Höheres als Verstand und Voraussicht" (Babylonischer Talmud)

Früher war der Glauben um die magische Kraft der Natur in der Mittsommernacht allgegenwärtig. Man sagte Elfen würden tanzen, Trolle stünden hinter den Bäumen und es hieß der Morgentau könne kranke Tiere und Menschen heilen, deshalb sammelte man etwas Tau in einem Becher.

Unverheiratete Mädchen aufgepasst: pflückt man in der Sommersonnwendnacht 7 Sorten wilder Blumen von 7 verschiedenen Wiesen, legt diese dann unter Euer Kopfkissen und ihr werdet dann, der Legende nach, von dem träumen, den Ihr irgendwann einmal heiraten werdet. Ihr müsst aber beim Pflücken absolut still sein und am nächsten Tag dürft Ihr niemandem erzählen, von wem Ihr geträumt habt, sonst geht der Traum nicht in Erfüllung.

Ja genau, nicht nur die Johannisbeeren (Ribisel) sind um diese Zeit reif…
Ich wünsche Euch heute zur Sommersonnenwende noch einen wunderschönen Mittsommerabend, Renate

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March 13, 2019

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